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Canon PowerShot G1 X Mark II –
Kompaktkamera mit APS-C-Sensor

In den vergangenen Monaten bekam ich immer wieder Anfragen von Lesern, die wissen wollten, warum ich eigentlich die Canon PowerShot G1X nicht teste. Als Grund hab ich dann immer gesagt: "Die ist schon so lange auf dem Markt, da kommt bestimmt bald ein Nachfolger und den teste ich dann." Und der Nachfolger ist jetzt da: Die Canon PowerShot G1 X Mark II. Die Zusatzbezeichnung "Mark" hat inzwischen schon fast Tradition. Hat doch die bekannte Canon EOS 5D nach verschiedenen Updates inzwischen die Zusatzbezeichnung Mark III.

Nun also die Mark II. Was macht die G1 X so besonders und unterscheidet sie von anderen Kompaktkameras? Wichtigster Punkte ist der Bildsensor. Der ist bei den Kompakten üblicherweise nicht sonderlich groß, denn schließlich ist in den kleinen Gehäusen kaum Platz für große Bildwandler. So ist beispielsweise der Sensor der Canon PowerShot SX700HS gerade mal 6,2 x 4,6 Millimeter groß. Bei der G1 X ist das anders: Hier werkelt ein deutlich größerer Sensor mit den Abmessungen 18,7 x 14 Millimeter. Damit hat er nicht ganz die Größe eines APS-C-Sensors einer Spiegelreflexkamera, der auf  22,3 x 14,9 Millimeter kommt. Neben der Größe gibt es einen weiteren Unterschied: Die Spiegelreflex hat ein Seitenverhältnis von 3 : 2, die Kompakte von 4 : 3. Auf der rund 262 Quadratmillimeter großen Fläche des G1X-Sensors verteilen sich 13,1 Millionen Bildpunkte. Stellt man die Kamera auf das 3 : 2-Format um, sind es noch 12,8 Megapixel. Zum Vergleich: Die Canon EOS 700D Spiegelreflexkamera bringt es auf 18 Megapixel.

Kommen wir zum Objektiv, das selbstverständlich fest eingebaut ist. Die nominale Brennweite beträgt 12,5 bis 62,5 Millimeter, was umgerechnet auf das Kleinbildformat 24 bis 120 Millimeter entspricht und somit ein 5fach-Zoom ist. Die Lichtstärke des Objektivs beträgt f2.0 in der Weitwinkeleinstellung und f3.9 in der maximalen Teleeinstellung. Ausgestattet ist das Objektiv mit einem optischen Bildstabilisator, der rund zwei bis drei Blendenstufen ausgleichen kann. Soviel zu den beiden wichtigsten Elementen der G1X Mark II – dem Sensor und dem Objektiv.

Handhabung der Kamera

Als ich die Kamera das erste mal in die Hand nahm, war ich erstaunt über das doch recht hohe Gewicht. Immerhin bringt die G1X MKII knapp 560 Gramm inklusive Akku und Speicherkarte auf die Waage. Das ist auch nicht viel weniger, als beispielsweise die Systemkamera Sony Alpha 6000 mit dem Kitobjektiv. Auch die Abmessungen der Kamera fällt für eine Kompakte recht üppig aus: 11,6 Zentimeter breit, 7,4 Zentimeter hoch und im ausgeschalteten Zustand 6,6 Zentimeter tief. Damit ist sie in etwa so groß, wie die bereits erwähnte Sony Alpha 6000. 

Die Canon liegt recht gut in der Hand, allerdings hätte ich mir einen etwas größeren, stärker ausgearbeiteten Griff gewünscht. Die Oberfläche des Griffs fühlt sich gut an und ist angenehm. Auf der Oberseite befindet sich das Drehrad zum Einstellen der verschiedenen Belichtungsprogramme. Davor sind Auslöser und Zoomschalter. Ebenfalls auf der Oberseite der Ein-/Ausschalter sowie die Wiedergabetaste. Auf der Kamerarückseite befindet sich das kombinierte Drehrad mit Vierwegeschalter, der OK-Taste, sowie Tasten zum Aufruf des Menüs (MENU), Einstellen des Bildschirms (DISP), Umstellen auf manuellen Fokus (MF) und Wahl des Autofokusfeldes. Dazu gibt's noch die WLAN- und Video-Taste. 

Den größten Teil der Kamerarückseite nimmt der klappbare Bildschirm in Anspruch. Er hat eine Diagonale von sieben Zentimetern und eine Auflösung von einer Million Bildpunkten. Der Bildschirm lässt sich vollständig nach oben klappen, so dass man mit der G1X MkII auch Selfies machen kann. Für die vereinfachte Bedienung ist der Monitor als Touchscreen ausgearbeitet. Darüber kann sowohl das Fokusfeld per Fingerzeig festgelegt werden, als auch die Steuerung der Kamera erfolgen.

 
 

Was ich allerdings mit Schrecken feststelle: Es gibt keinen Sucher mehr. Hatte die G1X den noch in der optischen Variante, fehlt der bei der Mark II. Verstehe ich das richtig? Eine Kompaktkamera, die in die Profiliga will hat keinen Sucher? Wer gestalten und nicht nur knipsen will, braucht einen Sucher – meine Meinung. Also durchstöbere ich das Datenblatt und die Infos auf der Canon-Seite und werde schließlich fündig. Einen elektronischen Sucher gibt's als Zubehör. Der EVF-DC1 (rund 260  Euro) lässt sich auf den Blitzschuh stecken. Er hat eine Auflösung von 2,4 Millionen Bildpunkten und lässt sich nach oben klappen. Das heißt dann aber auch, dass zu der rund 800 Euro teuren Kamera (Stand Juli 2014) noch mal 260 Euro dazu kommen, um aus der Kamera ein vollwertiges Modell zu machen. Sprich: Das Gesamtpaket kostet dann gut 1000 Euro – eine Menge Geld für eine Kompaktkamera.

Neben den bereits beschriebenen Tasten und Drehrädern gibt es noch zwei weitere. Die befinden sich vorne am Objektiv. Die lassen sich individuell programmieren. So lässt sich beispielsweise die Blende oder Belichtungskorrektur darüber einstellen. Und natürlich der Fokus, wenn manuelles Fokussieren aktiviert ist.

Unterschiede zum Vorgängermödell Canon Powershot G1X

Stellt sich nun die Frage: Was ist eigentlich neu an der Mark II? Fangen wir mit dem an, was weggefallen ist und das ist – wie bereits erwähnt – der Sucher. Hatte die G1X noch einen kleinen optischen Sucher, muss bei der Mark II ein elektronischer Sucher zugekauft werden, der oben auf den Blitzschuh gesteckt wird. Ein Vorteil hat das allerdings: Die Kamera ist rund sechs Millimeter niedriger geworden und wirkt nicht mehr ganz so klobig. Den Kontrollmonitor mit Touchscreen hatte ich bereits erwähnt. Bei der neuen kann der Monitor vollständig nach oben geklappt werden, so dass er auch von vorne zu sehen ist, beim Vorgängermodell ließ er sich seitlich wegklappen und ebenfalls von vorne einsehen. Allerdings fehlte hier der Touchscreen.

Ebenfalls weggefallen sind ein paar Megapixel. Hatte das Vorgängermodell noch 14,3 Millionen Bildpunkte, bringt es die Neue auf die bereits erwähnten 13,1 Megapixel – das bei gleich großem Sensor. Allerdings betrifft der nominale Unterschied nur das 4 : 3 Format. Hier speicherte die G1X genau 4352 x 3264 Bildpunkte, während es die MKII bei 4160 x 3120 Pixel belässt. In den Formaten 3 : 2 und 16 : 9 zeichnen beide Kamera die gleiche Auflösung auf: 4352 x 2904 und 4352 x 2248 Bildpunkte. Selbstverständlich können die Bilder sowohl im JPEG als auch RAW-Format gespeichert werden.

Zugelegt hat die G1X MkII beim Objektiv und das in zweierlei Hinsicht: Brennweite und Lichtstärke. Reicht der Zoombereich bei der alten von – auf das Kleinbildformat umgerechnet – 28 bis 112 Millimeter, so bringt es das aktuelle Modell auf 24 bis 120 Millimeter. Gerade im Weitwinkelbereich ist das positiv zu bewerten, denn vier Millimeter mehr Brennweite sind rund 15 Prozent mehr "Panorama". Bei der Lichtstärke kommt das Objektiv auf einen Wert von f2.0 bis f3.9, während das alte erst bei f2.8 begann und dann sogar im Telebereich nur f5.8 lieferte. Also eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Eine Verbesserung gibt es zudem im Autofokusbereich, hier stehen bei der neuen nun 31 Fokusfelder, gegenüber neun beim Vorgängermodell für die Messung der Schärfe zur Verfügung. Besonders positiv: Beim manuellen Fokussieren kann nun das sogenannte Fokus-Peaking zugeschaltet werden. Außerdem ist die Naheinstellgrenze von 20 Zentimeter auf fünf Zentimeter – gemessen ab Frontlinse – reduziert worden, so dass nun bessere Makroaufnahmen möglich sind.

Wie gehabt ist ein dreistufiger ND-Filter eingebaut. Auch das hat sich nicht geändert: Sie einstellbare Empfindlichkeit reicht von ISO 100 bis ISO 12800. Belichtungszeiten von 60 Sekunden bis zu 1/4000 Sekunde lassen sich wählen. Die kleinste Blendenöffnung beträgt f16.

Bei den Belichtungsprogrammen, den Aufnahmemodi für Video sowie den Bildeffekten gibt es keine erwähnenswerten Neuerungen. Neu ist allerdings die deutlich schnellere Serienbildfunktion. Hier legt die Mark II mit 5,2 Bildern pro Sekunde los, während es das Vorgängermodell nur auf knapp zwei Aufnahmen pro Sekunde brachte.

Neben USB- und HDMI-Anschluss verfügt die Mark II nun auch über ein eingebautes WiFi-Modul inklusive NFC-Chip zur schnellen Kopplung mit entsprechend ausgestatteten Smartphones. Welche Funktionen sich über WLAN steuern lassen, werde ich später noch näher betrachten. Außerdem gibt es einen Anschluss für eine Fernbedienung, einen Anschluiss für ein externes Mikrofon gibt es allerdings nicht. Noch ein Hinweis zum HDMI-Anschluss: Es ist eine Buchse Typ-D (Micro) und es wird kein Live-Bild ausgegeben, sondern der Anschluss ist nur bei der Wiedergabe aktiv.

Im Bereich Video gibt es keine Änderungen: Hier nimmt die MkII wie gewohnt in Full-HD mit 1080p auf und einer Bildwiederholrate von 30 Bildern pro Sekunde. . 

Exkurz zu den Themen HD-Video, Bildwiederholfrequenz und Datenrate

HD (High Definition = Hohe Auflösung) ist heute der Standard. Und was heißt das? Die Videos haben eine Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten, dies entspricht Full-HD. Das ist die gleiche Auflösung, die moderne Flachbildfernseher haben. Zum Vergleich: die ersten Filmchen, die man mit Fotokameras machen konnte, hatten eine Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten, das entspricht 0,3 Megapixel. Die HD-Auflösung hat rund zwei Megapixel, das ist das knapp siebenfache. Und das sieht man natürlich auch in den Aufnahmen. Neben der Full-HD-Auflösung gibt es auch noch die einfache HD-Auflösung mit 1280 x 720 Bildpunkten. Achtung: Häufig wird bei Kameras für Videos in HD-Auflösung geworben. Meist ist dann aber nur die "kleine" HD-Auflösung von 1280 x 720 Bildpunkten gemeint. Der Unterschied zwischen Full-HD und normalem HD ist auf einem guten TV-Bildschirm deutlich sichtbar. Feine Details werden in der Full-HD-Auflösung besser wiedergegeben, feine Strukturen kommen besser zur Geltung.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Bildwiederholrate – sprich: Wie häufig wird das Bild gespeichert. Das Maximum sind 50 beziehungsweise 60 Bilder pro Sekunde, auch Bildwiederholrate genannt. Um die Verwirrung noch weiter zu vergrößern: 50/60 Bilder pro Sekunde sind nicht gleich 50/60 Bilder pro Sekunde. Den kleinen aber feinen Unterschied macht der Buchstabe nach der Bildwiederholrate: "p" oder "i". Der Buchstabe "p" steht dabei für den Begriff progressive und "i" für interlaced. Und was bedeutet das nun? Bei 50p/60p nimmt die Kamera 50/60 mal pro Sekunde die volle HD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten auf, das ist das Optimum was geht. Bei 50i/60i nimmt die Kamera zwar auch 50/60 Bilder pro Sekunde auf, allerdings jedesmal nur die halbe HD-Auflösung. Und wie muss ich mir das vorstellen? Das Bild besteht ja aus 1920 Bildpunkten nebeneinander und 1080 Bildzeilen. Im Modus Interlaced nimmt die Kamera beim jedem Bild immer nur jede zweite Zeile auf. Also: Beim ersten Bild werden die Zeilen 1, 3, 5, 7 usw. aufgenommen. Beim zweiten Bild die Zeilen 2, 4, 6, 8 usw. Für die Kamera bedeutet das schlicht und ergreifend: weniger Rechenarbeit, da nur die Hälfte der Daten verarbeitet werden muss. Und welchen Unterschied macht das für den Betrachter und die Bildqualität? Ein Unterschied zwischen 50p/60p und 50i/60i ist unter bestimmten Voraussetzungen sichtbar und zwar immer dann, wenn sich im Motiv Dinge befinden, die sich schnell bewegen. Denn dann passen die jeweiligen Halbbilder nicht mehr perfekt zueinander und man hat das Gefühl, das Bild ist minimal unscharf. Bei den Dingen, die sich schnell bewegen, können außerdem leichte Schlieren sichtbar sein. Bei Motiven, in denen sich nur wenig bewegt, ist der Unterschied zwischen "i" und "p" praktisch nicht sichtbar. Viele Kameras bieten die Möglichkeit, zwischen 50i und 25p zu wählen. Sprich: entweder macht die Kamera 50/60 Halbbilder pro Sekunde oder 25 Vollbilder pro Sekunde. Mein Tipp: Bei "schnellen" Motiven wählt man 50i/60i, bei ruhigen Motiven 25p.

Noch ein weiterer Parameter ist wichtig. Das ist die sogenannte Datenrate. Beim Aufnehmen des Videos werden die Filmdaten von der Kamera komprimiert. Das ist ähnlich wie beim Fotografieren das JPEG-Format. Die Komprimierung ist erforderlich, da die Datenmenge kaum zu handhaben wäre, wenn jedes Bild unkomprimiert – quasi im RAW-Format – gespeichert würde. So wie es keine einheitliche JPEG-Komprimierung gibt, gibt es auch keine einheitliche Video-Komprimierung. Zwar sind die Filme im sogenannten AVCHD-Format gespeichert und können problemlos wiedergegeben werden – wie bei JPEG-Bildern – dennoch unterscheiden sie sich in der Datenrate. Die wird in Megabit pro Sekunde (MBit/Sek. oder auch Mbps) angegeben. Je höher die Datenrate, um so weniger wurde das Ausgangsmaterial komprimiert und um so besser sollte die Qualität sein. Das Maximum liegt übrigens bei 50 MBit/Sek. Auch hier noch die Ergänzung: Ja es gibt Profi-Kameras, die das Bild unkomprimiert speichern und höhere Datenraten haben.

 

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